Geschichte live erleben – Exkursion zum Schloss Schwarzburg

Exkursion unserer Klassestufe 12 zum Schloss Schwarzburg

 

Manchmal hilft es, Geschichte nicht einfach nur im Unterricht erzählt zu bekommen, sondern sie tatsächlich zu erleben, vor einem Gebäude zu stehen, vor dem vor 100 Jahren schon jemand stand oder die Kerben in einer Wand nachzuzeichnen, die Menschen vor 85 Jahren hineingeritzt haben. Historische Erinnerungsorte und Gedenkstätten bieten eben diese Möglichkeit, weshalb die Klassenstufe 12 am Montag, dem 24.08.2026, den außerschulischen Lernort Schloss Schwarzburg besuchte.

In der aktuellen Wanderausstellung zur Weimarer Republik beschäftigten sich die Schüler*innen mit den Anfangsjahren der Republik, ihren Krisen und Höhepunkten, dem Alltagsleben sowie dem Untergang der ersten parlamentarischen Demokratie Deutschlands. Zusätzlich zu den Ausstellungsmaterialien setzten sich die Jugendlichen in Kleingruppen kritisch mit verschiedenen Aspekten der Weimarer Republik auseinander, um so ihr Verständnis dieser Zeit zu stärken.

Anschließend führte der Jahrgang einen sogenannten „Actionbound” durch, bei dem es darum ging, historische Bilder des Schlosses Schwarzburg mit der heutigen Architektur zu vergleichen. Dies war so gestaltet, dass die Schüler*innen über das gesamte Gelände geführt wurden und es selbstständig entdecken konnten. Durch den Actionbound wurde deutlich, wie tiefgreifend die Nationalsozialisten das Gelände in den Jahren 1940-1942 zerstörten. Auch der kurze Vortrag über Zwangsarbeit während der NS-Zeit und die Vorstellung des „Memory Walk Schloss Schwarzburg” verdeutlichten für die Jugendlichen die Geschichte des Schlosses und deren Wirkung bis in die Gegenwart.

Damit bildete die Exkursion nicht nur eine Ergänzung zum Geschichtsunterricht, sondern wirkte auch als Aufruf an die Schüler*innen, demokratische Werte zu schätzen und zu verteidigen sowie an jene zu erinnern, die antidemokratischen Werten zum Opfer fielen. Demokratie schützen zu wollen und sich für eine bessere Gedenk- & Erinnerungskultur einzusetzen, gehen Hand in Hand. Wir können nicht für unsere Zukunft kämpfen, ohne uns mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, wir können nicht für morgen planen, ohne uns an gestern zu erinnern, wir können nicht den Wert der Demokratie predigen, ohne uns daran zu erinnern, wie schrecklich und einfach es war, sie zu verlieren.

1919 war Schwarzburg der Ort, an dem Friedrich Ebert die demokratische Verfassung der Weimarer Republik unterschrieb. Etwa 30 Jahre später zerstörten Nationalsozialisten das Gelände, missbrauchten es als Hotel für Reichsgäste und zwangen Menschen, unter unwürdigen Bedingungen zu arbeiten. Beides sind Ereignisse, an die wir uns erinnern müssen und von denen wir uns leiten lassen müssen, entweder als Bestätigung, unsere eigene demokratische Verfassung zu schützen, oder als Warnung, menschenfeindlichen und antidemokratischen Werten keinen Raum zu geben.

Exkursionen zu Orten wie Schloss Schwarzburg sind nicht einfach nur Ergänzungen zum theoretischen Unterricht oder eine nette Abwechslung zum langweiligen Schulalltag, sie sind eine Möglichkeit, Erinnerungskultur aktiv zu unterstützen und den Wert von Demokratie verstehen zu können.

Ein besonderer Dank geht an Frau Dr. Költsch, die als Koordinatorin des außerschulischen Lernorts Schloss Schwarzburg bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten den Jahrgang mit ihrem Expertinnenwissen unterstützte sowie an die Geschichtslehrerinnen, die diese Exkursion organisiert und begleitet haben.

Text: Joy Petermann
Bilder: I. Schubert
Bearbeitung: S. Roth
AG Redaktion und Technik

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