Die Welle – Schauspielkunst im Zeitgeist am HBG

Am Abend des 28.01.2026 fand die lang ersehnte Aufführung des Theaterstückes „Die Welle“ des DG-Kurses der Klassenstufe 10 statt. Nach über 3 Monaten intensiver Proben und zwei Vorführungen im Schiller-Theater Rudolstadt, hatten die jungen Schauspieler*innen nun auch endlich die Möglichkeit Eltern, Großeltern, Freund*innen und andere Gäste zu beeindrucken.

Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Morton Rhue und dem Experiment von Ron Jones und thematisiert die Gefahren von Gruppenzwang und autoritären Strukturen, was geschehen kann und bereits geschehen ist, wenn Menschen ihre Individualität aufgeben und sich dem allgemeinen Willen unterordnen. Das Buch selbst ist vermutlich schon vielen bekannt, aber die DG-Schüler*innen betonten noch einmal die Relevanz sowie die Aktualität des Stückes und rückten damit auch die Thematik für viele Zuschauer*innen in ein neues Licht.

Die mitreißende und authentische Schauspielkunst der Zehntklässler*innen brachte vielen das Stück noch einmal näher und machte es einfacher, sich in die verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen und zu begreifen, dass die Geschichte zwar in Palo Alto, einem Vorort von San Francisco, spielt, „aber sie könnte auch in Sao Paulo spielen, in Liverpool, Eindhoven oder eben hier“. Man verfolgt als Zuschauer*in die Entwicklung live mit, erlebt die mutmachenden Anfänge und das Gefühl, etwas verbessern und verändern zu können, die Kipppunkte und Unsicherheiten und dann am Ende die bittere Erkenntnis und die Schuldgefühle, zu wissen, was man getan hat und trotzdem weitermachen zu müssen.

Das Ende des Stückes zeigt alle Charaktere in einer Reihe am Bühnenrand, aber ein Großteil von ihnen hat die Köpfe gesenkt, beschämt von sich und ihren Taten, ihrer Blindheit. Die Einzigen, die mit einem ehrlichen Blick ins Publikum und in die Zukunft blicken können, sind die, die sich im Prozess nicht selbst verraten und verloren haben.

Auf diese eindrucksvolle letzte Szene folgt ein minutenlanger Applaus für die jungen Schauspieler*innen, nicht nur aufgrund der herausragenden Vorstellung, die sie geliefert haben, sondern als Ausdruck der Wertschätzung für die von ihnen geopferte Zeit und Kraft, sowie der Stärke über sich selbst hinauszuwachsen, laut zu werden und Platz einzunehmen, auf diesen Brettern, die die Welt bedeuten.

Im Nachhinein beschreibt ein Zuschauer die Thematik des Stückes als „brennend aktuell” und passender könnten diese Worte eigentlich nicht sein, denn die Welt brennt und tagtäglich befinden wir uns in einem Kugelhagel, aus Nachrichten, Fake News, Beiträgen, Hass-Kommentaren, Warnungen und Meinungen, die auf uns einprasseln, mit dem Ziel, etwas zu hinterlassen, etwas zu verändern, und nichts anderes war dieses Stück, gemacht um einzuschlagen in Geist und Herzen des Publikums, um zu bleiben, um zu erinnern, um zu warnen, um zu hinterfragen.

Denn „Die Welle“ ist ein Stück Fiktion, eine Theatervorstellung, ein Spiel, aber wo fängt das Spiel an und wo hört es auf? Wo beginnt die Realität und wann wird aus Spiel Ernst? Wie viele solcher Stücke und Romane und Aufführungen brauchen wir, um die Augen zu öffnen, uns umzublicken und zu realisieren, dass wir selbst schon mittendrin sind, Komparsen im Spiel um Macht und Geld und Gewalt?

Ein großer Dank geht an die Mitwirkenden des Theaters Rudolstadt, für die wunderbare Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Unterstützung der Proben, aber natürlich auch an Frau Particke, für die Mühe, Zeit und Kraft, die sie in den DG-Unterricht unserer Schule investiert sowie die Liebe und Sorgfalt, die sie in diese Arbeit steckt. Ein Dankeschön geht auch an die Schüler*innen der Klassenstufe 9, die den Abend durch Catering bereichert haben sowie an alle Gäste, die kamen, um den DG-Kurs zu unterstützen. Und zuletzt natürlich noch einmal ein Dank an die jungen Schauspieler*innen, die so viel gegeben haben, jedes Lob verdienen und das Schulleben mit ihrer Kreativität bereichern.

von Joy Petermann
AG Redaktion & Technik

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